Modellbahn-Club der Jürgen-Fuhlendorf-Schule e.V.

BDEF-Mitglieds-Nr.: 539

(Hinweis: Es befindet sich mwv-file auf der Seite.)

Im September 1995 entstand an der Jürgen-Fuhlendorf-Schule (JFS) in Bad Bramstedt eine Modellbahn-Arbeitsgemeinschaft für Schülerinnen und Schüler ab der 5. Klasse. Die Mitglieder gründeten am 12. Februar 1999 einen eingetragenen, gemeinnützigen Verein. Die durchschnittlich zwölf Jahre alten Mitglieder bauen Spur-N-Module der Tarper Norm.

Bei der Gründung der Arbeitsgemeinschaft entschieden wir uns aus mehreren Gründen für Module:

1. Ein Raum für eine feste Anlage steht im Schulgebäude nicht zur Verfügung.

2. Bis eine feste Anlage fertiggestellt wird, vergehen Jahre.

3. Eine feste Anlage bedeutet einen hohen finanziellen Einsatz.

4. Ein Modul kann auch durch einen Schüler in absehbarer Zeit fertig gestellt werden.

5. Der Erbauer bestimmt die Höhe der Kosten über die Auswahl des Modulthemas.

6. Das Modul geht in den Besitz des Erbauers über.

7. Auch ehemalige Schüler können sich später noch bei einer Präsentation der Anlage mit ihren Modulen einklinken.

8. Ein Raum für eine zeitlich befristete Präsentation steht in der Schule zur Verfügung.

Doch sollte das Rad nicht neu erfunden, sondern auf Erfahrungen anderer bei der Entwicklung von Modulnormen und Bauweisen zurückgegriffen werden. Die Mitglieder des Modelleisenbahnclubs (MEC) Tarp bauen Module mit einfacher Technik und ansprechenden Geländeprofilen. So entstanden die ersten Module nach eingehender Beratung durch die hilfsbereiten Tarper Modelleisenbahner.

Anfangs war der Club für Ausstellungen auf die Ergänzung durch Module aus Tarp angewiesen. Eine wichtige Veranstaltung war für uns ein Termin in den Holstenhallen Neumünster, wo wir mit dem MEC Tarp eine Modulanlage mit drei Wendemodulen und einer Strecke von gut 80 m Länge aufbauten und betrieben.

Mindestens ein Mal im Jahr, häufig zwei Mal, bauen wir in der Aula der Schule unsere Anlage auf. Immer ist bis zur letzten Tag unklar, welche Module zur Verfügung stehen. Auf der doppelgleisigen Strecke können ca. 40 Zuggarnituren im Wechsel fahren. Besonders beeindruckend sind die langen Züge wie z.B. ein Güterzug mit 50 Güterwagen in den lang gestreckten Kurven des Radius 1,5 m. An den beiden Streckenenden befinden sich sogenannte Wendemodule, in denen Züge geparkt und danach in anderer Folge wieder auf die Strecke geschickt werden.

Wie entstehen die Module der Schüler? Zunächst wird eine Ideenskizze zu Papier gebracht (Bild 2). Es handelt sich dabei noch um einen groben, nicht maßstäblichen Entwurf. Diese Idee wird dann am Zeichentisch in einen maßstäblichen Plan umgesetzt (Bild 3). Dazu wurden Feldwege, Knicks, Weidezäune und Landstraßen vermessen und die Werte auf den Maßstab 1: 160 umgerechnet. Dabei wird schnell festgestellt, daß die Wege auf den Skizzen schon fast Autobahnen darstellen können. So nach und nach schult sich der Blick nach Maßstäblichkeit.

Die Modul-Rohbauten des in Gruppen im Werkraum arbeitenden Vereins lagern auf einem eigens vom Hausmeister konstruierten und gebauten Zwischenboden im Maschinenraum neben dem eigentlichen Werkraum (Bild 30). Auf diesem und dem folgenden Bild (Bild 9) sind deutlich die beiden Geländeprofile Flachland, genannt A, und Berg, genannt B, zu erkennen. Das eine der beiden Gleise liegt genau mittig, das zweite in einem Abstand von 25mm südlich, dem Zuschauer näher. Die Modulkästen entstehen aus Tischlerplatten und erhalten einen Kaninchendraht als Unterlage für das Gelände, welches aus Pappmasché nach der üblichen Methode aufgebracht wird. Im Bereich von Anschlußgleisen, Bahnhöfen und Orten o.ä. werden Sperrholzplatten als Unterlage verwendet.

Für eine Ausstellung werden die Module mit Schienenoberkante 1000mm aufgebaut. Dazu haben sie unter einem sogenannten Kofferverschlußbrett zwei Paar Klappbeine mit Stellschrauben (Bild 10). Diese Klappbeine werden im ausgeklappten und auch im eingeklappten Zustand gesichert. Des weiteren haben sie unten eine stabilisierende Querverbindung in definierter Höhe, damit die Anlagenteile mit einer Wasserwaage ausgerichtet werden können. Bodenunebenheiten von 5cm können ausgeglichen werden.

Die ersten Module wurden mit Steckbeinen gebaut, die für jede Ausstellung montiert werden mußten. Die Kopfstücke wurden mit M8-Schrauben in Löchern von 10mm Durchmesser verbunden und justiert. Diese Arbeit dauerte Stunden. Für den Aufbau unserer ersten Aufstellungsanlage brauchten wir von 16.00 Uhr bis 3.00 Uhr morgens. Nach Weiterentwicklung der Modulnorm reduzierte sich die Aufbauzeit für eine wesentlich größere Anlage auf vier Stunden.

Die Schüler arbeiten im Werkraum in erfahrungsgemischten Kleingruppen (Bild 29). Für bestimmte Tätigkeiten werden „Spezialisten” herangezogen. Der Einsatz zum Beispiel eines Schlagschraubers bedingt einen erheblichen Kraftaufwand und auch Erfahrung. Hier (Bild 31) wird gerade eine Versteifung im 1200mm langen Kasten angebracht. Sie erhält über eine Distanzschablone den gleichen Abstand von der Unterkante wie das Kofferverschlußbrett. Das später mittig aufgebrachte Trassenbrett kann dann mit einer Klotzhöhe an drei Stellen abgestützt werden.

Der Schüler auf dem Bild (Bild 14) bestimmt die Position für vier Messingschrauben auf der Kopfstückoberkante. Hierauf werden die Gleise nach Höhe und Seite mit Hilfe eines Muttermoduls justiert und festgelötet. Die Löcher für die Schrauben werden vorgebohrt, da die kleinen Messingschrauben sonst leicht abgedreht werden. Auch lernen die Schüler an diesen Schrauben schnell, daß ein passender Schraubendreher benutzt werden muß, da der Schlitz sonst schnell ausgebrochen wird.

Es werden nicht nur gerade Module gebaut. Wir haben auch Standard-Kurvenmodule entworfen. Das heißt nicht, daß es in einer Modulanlage nur standardisierte Module gibt. Zwischen den Kopfstücken bleibt es dem Erbauer überlassen, was gebaut, gestaltet wird. Für einen Verein macht jedoch eine gewisse Serienproduktion Sinn. Das Bild (Bild 6) zeigt eine 30 Grad-Außenkurve mit einem Radius von 1500mm.

Die Gestaltung des Geländes, wie zum Beispiel eines Angelsees (Bild 6), bedarf eingehender Planung. Der Anfänger gestaltet einen Weidenzaun entlang der Modulkante und übersieht dabei, daß das Modul einen Geländeausschnitt darstellt. Für einen großzügigen, stimmigen Eindruck ist es ungeheuer wichtig, daß Elemente wie ein Weidenzaun, Knick oder Feld nicht an der Modulkante zu Ende sind. Außerdem wirkt es sehr unschön, wenn ein Hochwald an der einen Kopfstückseite mit eine Wiese auf dem Anschlußmodul zusammenkommt. An der Kopfstückseite darf also der Landschaftsarchitekt mit dem Standardstreupulver nur flach begrünen. So entsteht dann auf einer Ausstellung eine stimmige Landschaft von respektabler Länge.

Die Gleise liegen auf Korkstreifenpaaren mit Böschung. Auf die Kurvenmodule werden sie mit Hilfe einer Schablone gelegt. Diese Schablone konnte ich mal auf einer CNC-Maschine herstellen lassen. Wenn eine solche Schablone nicht zur Verfügung steht, muß der Kreisbogen mit einem Bindfadenzirkel bestimmt werden. Mit Hand gezeichnet, hat man nach Kombination mehrerer Kurvenmodule leicht eine Wellenlinie im Schienenverlauf. Dies fällt bei einem einzelnen Kurvenmodul noch nicht auf.

Die Schienen werden mit Nägeln fixiert, die dann später nach dem Einschottern wieder entfernt werden. Danach wird der Schotter zwischen Schwellen und neben das Gleis gestreut (Bild 28). Mit einem Wasser-Weißleim-Spülmittel-Gemisch aus einer Spritze werden Gleis, Schotter und Untergrund verklebt (Bild 32). Dadurch, daß kein Nagel durch die Schiene bis in das Holz reicht und auch noch ein Korkstreifen als Bettung verwendet wird, haben wir bisher noch keinen Dröhneffekt beim Betrieb der Anlage bemerkt.

Am Ende der doppelgleisigen Strecke steht ein Wendemodul (Bild 1). Unser erstes Wendemodul ist im Gegensatz zu den üblichen einteilig. Es ist in einer gewichtssparenden Rahmenbauweise entstanden. Inzwischen trägt es fünf Kreise mit jeweils mindestens vier Halteabschnitten. Es können, je nach Länge der Garnituren, maximal 24 Züge geparkt werden. Der Bediener kann aus den fünf Kreisen jeweils den vordersten Zug auf die Strecke schicken. Auf der Strecke wird so für Abwechslung gesorgt.

Die Bedienung solch eines Wendemoduls muß geübt werden. Laufend kommt ein Zug, der auf einem freien Abschnitt abgestellt werden will. Ein Zug muß auf die Strecke, die im Kreis hinter ihm stehenden müssen vorgezogen werden, und dann schickt der gegenüberliegende Wendemodulbediener zwei lange Züge (!) nacheinander auf die Strecke, wofür dann aus dem eigenen Wendemodul jeweils vier Züge auf die Strecke müssen. Anfänglich kommt man richtig ins Schwitzen und muß auch bald abgelöst werden.

Autor: Gerd Wiechering, StR am Jürgen-Fuhlendorf-Gymnasium in Bad Bramstedt

Fotos: Henning Krause, Mitglied der Foto-AG des Autors